Voraussichtliche Reisedaten

Montag, 15. April 2019

13. April 2019 | Costinesti (RO) – Türkei (TR) | 368 km

Beim Aufwachen war unser Shelter innen überall vom Kondenswasser feucht, so kalt und nass war es direkt an der Küste. Nur ein warmer Tee konnte die Lebensgeister in mir wecken – an eine Dusche war nicht zu denken, da der Akku, aus dem der Boiler die Energie zum Aufheizen bezieht, leer war (das ist ein Thema eines Technik-Blog-Beitrags, der später noch kommt).

Nach dem Frühstück in Costinesti südlich von Constanta in Rumänien waren es nur etwa 30 km bis zu Bulgarischen Grenze, wo wir an einem kleinen Grenzübergang hinter zwei Lastwagen, die Militärfahrzeuge geladen hatten und drei PKWs bald an die Reihe kamen und nach einer kurzen Kontrolle einreisen durften. Gleich nach der Grenze lösten wir an einem elektronischen Terminal eine Tagesvignette für umgerechnet rund 13 Franken und wollte schauen, wie weit wir kommen.

Nebel, Regen, alles nass...
Der Himmel war von frühmorgens an grau und verhangen, es regnete viel und war empfindlich kalt. Streckenweise begleitete uns sogar dichter Nebel, so dass wir langsam und vorsichtig fahren mussten. Die Strassenverhältnisse in Bulgarien sind gut bis sehr gut und wir kamen trotz des widrigen Wetters recht gut voran. Allerdings (und auch das ist ein Thema für einen Technik-Blog-Eintrag) bekundete unser Bremssystem einige Mühe – wir nehmen an, es lag an der Feuchtigkeit. Das realisierten wir, als Lorenz auf einer abschüssigen Strecke in einer Stadt (ich glaube es war Varna) auf eine Verkehrsberuhigungs-Schwelle zufuhr und gar nicht richtig abbremsen konnte. Der Muni versuchte es Simon Ammann gleich zu tun und setzte zu einem weltmeisterlichen Sprung an, was uns und das ganze Gefährt mächtig hoch und runter bewegte. Der Schlag war so heftig, dass wir beide das Gefühl hatten, jetzt sei etwas kaputt gegangen oder der Anhänger habe sich selbständig gemacht. Bei der Sicherheitskontrolle wenige Hundert Meter weiter war aber kein Schaden und auch kein Anzeichen für etwas Ungewöhnliches zu erkennen. Sehr wahrscheinlich hält das Material viel mehr aus als wir zwei «Weichschnäbeler» zu vermuten wagen.
(Thema «russische Eier oder Ivan lächelt nur müde und telefoniert weiter» für einen gesonderten Blogeintrag)

Strassenszene in Burgas (BG)
Wir haben in Bulgarien den Tank mit frischem Diesel aufgefüllt, was uns ermöglichte, den durchschnittlichen Verbrauch zu eruieren: unser Muni verbrauchte auf den bisher sehr guten und auf weiten Strecken autobahnähnlichen Strassen «nur» 20 Liter auf 100 km. Das hat uns beide sehr positiv überrascht, da wir mit einem Verbrauch von über 25 l/100km gerechnet hatten.

Wir kamen wider Erwarten sehr gut voran und fuhren der Schwarzmeerküste entlang Richtung Süden und Türkei vorbei an grossen Agrarflächen, einfachen Dörfern, Seekurorten die an russische Ferienstädte erinnern und sahen bei trostlosem Wetter nicht sehr viel von diesem Land. Auch hier fiel uns der grosse Unterschied zwischen Arm und Reich auf, sahen wir Prunkbauten neben Abfallhalden, schöne Eichen- und Buchenwälder mit Eichelhähern und Fasanen, viele Greifvögeln entlang der Strassen und ebenso viele streunende Hunde sowie die hier häufig auftretenden Roma, die sich am Rand der Gesellschaft auf für uns oft erbärmliche Weise durchschlagen müssen. In einem der letzten Dörfer vor der Grenze zur Türkei hatten sie ein verlassenes Dorf in Beschlag genommen, wo offensichtlich kein Strom und kein fliessendes Wasser mehr vorhanden war und die Häuser mehr als baufällig waren. Die Balkone brachen fast von den Fassaden und Fensterscheiben waren kaum mehr vorhanden – viele Menschen blickten uns aus teilnahmslosen, leeren Augen nach und zeigten keine Reaktion wenn wir vorbei fuhren und winkten oder freundlich tröteten.

Nahe der Grenze zur Türkei
Erst gegen die Grenze kam ein wenig die Sonne hervor und erhellte die Landschaft, was die Stimmung schlagartig veränderte. Jetzt leuchteten die Rapsfelder in Gelb, die Wälder waren grün statt grau und die blühenden Bäume und Sträucher glänzten richtiggehend.

Das allerletzte Dorf vor der Grenze heisst Malko Tarnovo – wir schossen natürlich ein Foto für unseren Freund Malco!

Die schwierigste Etappe war die Abfertigung am Zoll zur Türkei oben auf einem Pass auf etwas 800 Metern Höhe: wir kamen nach Sonnenuntergang an der Grenze an und wurden von den Bulgaren bei der Ausfahrt kontrolliert (sie wollten eigentlich nur unser Fahrzeug inspizieren und waren begeistert). Auf der türkischen Seite war es viel schwieriger, denn die Zollbeamten hatten keine Ahnung, wie sie unsere drei Fahrzeuge (Muni, Anhänger, Motorrad), die alle drei auf Lor
enz zugelassen sind, in ihr System eintragen sollten. Wir warteten lange in der Kälte bis der einzige Zöllner, der Englisch sprach und verstand, uns klar machte, dass sein Kollege Amateur sei. Er bedeutete uns, wir sollten doch in unser Fahrzeug sitzen und die Heizung anstellen, er käme uns holen wenn sie eine Lösung gefunden hätten. Einige Zeit später kam er mit den notwendigen Papieren und entschuldigte sich ausdrücklich für die Umstände.

So konnten wir bei stockdunkler Nacht die Fahrt ins Tal fortsetzen und stellten das Fahrzeug bei der ersten Gelegenheit auf einem geeigneten Platz neben einer Seitenstrasse ab, kochten uns Hörnli mit Fertig-Tomaten-Arrabiata-Sauce und schliefen schon bald.

Einen Blog gab es nicht. Dazu waren wir zu müde und darüber hinaus hatten wir in der abgelegenen Gegend eh keinen Internet-Empfang.


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