Voraussichtliche Reisedaten

Mittwoch, 26. Juni 2019

26. Juni 2019 | Рот-фронт (Rot-Front/Bergtal) - Чолпон-Ата (Tscholponata) (KG) | 222 km

Frühstück, resp. Spätstück: Schwarztee mit Milch(pulver) und viel Zucker, dazu fein knuspriger Toast aus dem kleinen Backofen und georgische Konfitüre...ein Traum!

Dazu das Morgenpanorama der Tien Shan-Gebirgskette, die jetzt südlich von uns liegt und die wir mit den Pässen von vorgestern und gestern überquert haben. Diese rund 2450 km lange und 400 km breite Hochgebirgskette trennt das Ferghana-Tal, in dem Osh liegt, vom kasachischen Steppenland, das nördlich an Kirgisistan anschliesst. Und wir mittendrin.

Start des Spiels: die Reiter reiten aus Distanz zur toten Ziege rechts im Bild

Wir verliessen den schönen Platz inmitten einer Felderlandaschaft gegen Mittag und fuhren wieder zurück Richtung Tokmok. Schon nach wenigen Kilometern, etwa auf der Höhe des Burana-Turms, den wir gestern besucht hatten, sahen wir auf einem freien Feld eine Gruppe von Reitern. Sie spielten den Nationalsport der zentralasiatischen Nomadenvölker, Buzkaschi. Also bogen wir in einen kleinen Weg entlang eines Bewässerungskanals und schauten dem Schauspiel zu.

Reiter in Blau versucht sich das Tier zu greifen

Normalerweise wird dieser Sport im Sommer nicht ausgetragen, da es zu heiß und zu trocken ist. Vor allem die Trockenheit macht den Pferden und den Reitern sehr zu schaffen, weil dadurch der Staub der Steppe aufgewirbelt wird. Heute wurde aber für ein paar koreanische Touristen eine Extraeinlage gegeben und wir durften Zaungäste sein. So erhielten wir einen Einblick in das Spiel, auch wenn es «nur» eine abgespeckte Touristenvariante war.

Reiter ein Gelb nimmt das Tier

Bei diesem Spiel wird eine tote Ziege, manchmal auch ein totes Kalb, auf den Boden gelegt und die Reiter, bewaffnet mit Reitpeitsche, galoppieren mit ihren Pferden auf ein Pfeifzeichen des Schiedsrichters aus Distanz darauf zu und versuchen das tote Tier aufzunehmen und es vor dem Preisrichter abzulegen.

die anderen versuchen es ihm wegzunehmen

Es spielt jeder gegen jeden – es ist also kein Mannschaftskampf, sondern ein Einzelspiel.

Reiter in Gelb reitet davon...

Es sind alle Mittel erlaubt um den Kadaver an sich zu bringen, auch das Schlagen mit der Peitsche auf Pferd und Reiter ist erlaubt.

...Richtung Ziel beim Podest

Normalerweise wird das Spiel in der offenen Steppe ausgetragen und die Zahl der Mitspieler ist nicht definiert. Es soll auch schon Spiele mit mehreren Tausend Reitern gegeben haben.


Auch die Dauer des Spiels ist nicht definiert, sondern es ist erst zu Ende, wenn ein Reiter die Ziege/das Kalb vor dem Preisrichter abgelegt hat. Es soll schon vorgekommen sein, dass solche Spiele mehrere Tage gedauert haben. Wahrscheinlich ist dann einer der Reiter mit der Ziege auf und davon und hat sich gedacht, er reite mal den anderen davon…;)


In der Übungsvariante, die wir sahen, wurde die tote Ziege jeweils auf eine Art Podest gelegt und es gab mehrere Durchgänge in der Kurzen Zeit, in der wir zusahen. Auch gingen die Spieler nicht allzu hart miteinander um und es gab keine Verletzungen.

Im «richtigen» Wettkampf tragen die Spieler Schutzkleidung und einen Helm, obwohl auch das nicht vorgeschrieben ist.

Von Tokmok fuhren wir auf einer perfekten, autobahnähnlichen Strasse dem Grenzfluss Tschüi zu Kasachstan entlang, der uns durch die Boom-Schlucht im Alatau-Gebirge von der Ebene auf rund 1000 m.ü.M. in die Höhe und zum Yssyköl-See auf 1600 m.ü.M. führte. Die Landschaft im Gebirge war sehr karg und Braun war der vorherrschende Farbton. Am Ende der Schlucht öffnete sich das Tal in eine breite Hochebene, in der der Yssyköl-See liegt. Die erste Stadt, die wir erreichten war Balytschky.

In Balytschky besuchte Lorenz die lokale Feuerwache, an der wir zufällig vorbei fuhren...ich nutzte die Zeit um mich nach dem Wohlbefinden meiner hochschwangeren Tochter Meret zu erkundigen und Vreni und Werner zu kontaktieren, die wir am Freitag in Karakol am Westende des Yssyköl-Sees treffen wollen.

Yssyköl-See mit Tien Shan-Gebirge im Hintergrund

Der Yssyköl-See ist mit einer Fläche von 6236 km² der zweitgrösste Gebirgssee der Welt nach dem Titicaca-See (8288 km²) im Altiplano zwischen Peru und Bolivien. Er kann mit ein paar Besonderheiten aufwarten:

Der Salzgehalt beträgt 6 g/kg Wasser – er ist also kein reiner Süsswassersee.

Er friert trotz Lufttemperaturen von bis zu -20 °C im Winter nie. Das kann am Salzgehalt liegen, es werden zur Erklärung auch warme Quellen am Seegrund genannt...wahrscheinlich ist es aber die gute Durchmischung des Seewassers (Tiefenwasser hat immer eine Temperatur von >4 °C) durch die stetig wehenden Winde, die das Zufrieren verhindert.

Der See ist endorheisch, d.h. er besitzt mehrere Zuflüsse aber keinen Abfluss. Das resultiert in grossen Schwankungen des Seespiegels über längere Zeiträume.

In der Sowjet-Ära wurde der See von der sowjetischen Marine intensiv für Tests von Torpedos und Torpedo-Steuerungen genutzt, weshalb lange Zeit ein grosser Teil des Ufers militärisches Sperrgebiet war. Seit 2008 pachtet Russland erneut eine ganze Halbinsel und will die Waffentests wieder aufnehmen.

Die Romane Dschingis Aitmatovs spielen am Yssyköl-See.

Blick Richtung Чолпон-Ата (Tscholponata)

Das Gebiet um den See ist heute touristisch intensiv genutzt und vor allem an der Nordseite reihen sich die Hotelkomplexe und Vergnügungsparks aneinander.

Wir haben etwas ausserhalb der Stadt Чолпон-Ата (Tscholponata) auf dem Grundstück einer russischen Wasserbaufirma einen Standplatz direkt am Wasser gefunden und haben eine grossartige Aussicht auf's Tien Shan-Gebirge am südlichen Ufer des Sees.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

21. Juli 2019 | Basel | Danke!

Rumänien - Constanta Ich sitze knappe 48 Stunden nach unserer Rückkehr in die Schweiz gemütlich in Susannes Wohnzimmer bei einen Schw...